16. April 2010: Plauen
Die größte Stadt des Vogtlandes war der erste wichtige Stopp der dreitägigen Veranstaltung. Bereits im Vorfeld erregte der Besuch der US-Veteranen große Aufmerksamkeit auch seitens der US-Vertreter in Deutschland. Die Generalkonsulin in Leipzig, Katherine Brucker, nahm selbst zwei Tage am Convoy teil und sprach unter anderem auf dem Plauener Neustadtplatz.
Schon einen Tag zuvor wurde Plauen eine besondere Ehre zuteil: Erstmals in der Geschichte Plauens weilte ein amtierender US-Botschafter in der Stadt. Phillip D. Murphy ließ es sich nicht nehmen, die US-Veteranen persönlich zu begrüßen. Im Malzhaus leitete er eine Podiumsdiskussion, zu der insbesondere auch Schüler Plauener Gymnasien geladen waren.
Neben seinem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt traf der Botschafter auch die Organisatoren des Liberty Convoys. Ihnen dankte er für deren herzliche Gastfreundschaft und die umfassende Betreuung der Veteranen und derer mitgereisten Familien.
Im weiteren Verlauf folgte der Convoy der Einmarschroute von 1945 bis nach Oelsnitz/Vogtland. Auf dem dortigen Schloss Voigtsberg begrüßte die Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius feierlich den Convo bei geradezu volksfestartiger Stimmung im Schlosshof. Der Stadt gilt - wie allen anderen Zielorten im Vogtland - ein großes Kompliment für die wundervolle Mitwirkung. Dementsprechend mit großer Freude kamen die Gäste aus den USA den Fragen und Autogrammwünschen der Bürger nach.

Tom Burgess, angereister US-Veteran, im Gespräch mit dem Botschafter der USA, Phillip D. Murphy anlässlich einer Podiumsdiskussion im Plauener "Malzhaus".

Die Generalkonsulin der USA in Leipzig, Katherine Brucker, lässt es sich nicht nehmen, an zweit Tagen selbst im convoy mitzufahren.

Die Plauener treten den US-Veteranen mit großem Interesse und Freundlichkeit entgegen, nachdem diese eine Gedenktafel enthüllten.
17. April 2010: Reichenbach
Der zweite Tag führte den Convoy über Mühlbach nach Pausa sowie von dort aus weiter durch das Göltzschtal nach Reichenbach.
Diese Stadt verdankt ihrem damaligen Oberbürgermeister Dr. Otto Schreiber sehr viel. Unmittelbar nach Eintreffen der vorrückenden US-Armee übergab Schreiber die Stadt den Amerikanern und verhinderte so, dass es zu Gefechten und Blutvergießen kam. Die Sowjets verschleppten Schreiber später, sein Schicksal ist unbekannt gebllieben. Schreibers Tochter berichtete über jene Ereignisse.
Die letzte Station an diesem Tag war Jocketa, wo die Amerikaner 1945 ihr Hauptquartier in der Villa Robaschik eingerichtet hatten. Die Tochter des hauses, die diese Zeit als Zehnjährige selbst erlebt hatte, ließ es sich nicht nehmen, die Veteranen in ihr Haus zum Kaffee einzuladen. Was für eine Geste!
Während der Fahrezugconvoi zurück in Samp Waldfrieden fuhr, besuchten die Organisatoren mti den US-Veteranen die berühmte Elstertalbrücke. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, zum Glück jedoch nicht vollständig zerstört. Sie sowie ihre großen Schwester, die Göltzschtalbrücke, gelten bis heute als die größten Ziegelsteinbrücken der Welt.
Im Plauener Hotel Domero nahmen am Abend zahlreiche Interessierte an einem Symposium teil. Der den Convoy begleitende Historiker Ullrich Koch referierte zu den EReignissen in der Region im Frühjahr 1945. Eine besodnere musikalische Umrahmung lieferte übrigens ein Organisationsmitglied: Der Deutsch-Kanadier udn Folkmusiker udn Songwriter Michael Friedman.

Auf dem Markt in Reichenbach herrscht Volskfeststimmung, als der Convoy die Ereignisse von 1945 würdigt. Die Gastfreundschaft der Reichenbacher war überwältigend.

Diese alte Feuerwehr ist jenes Fahrzeug, mit dem Oberbürgermeister Schreiber im April 1945 den amerikanern entgegenfuhr.

Symbolisch übergibt der amtierende OB Reichenbachs, Dieter Kießlling, ähnlich seinem Vorgänger die Stadt an die "Amerikaner", indem die Stadtflagge an die US-Generalkonsulin weitergereicht wurde.
18. April 2010: Carlsfeld
Dieser Tag führte den Convoy unter anderem zu einem seiner wichtigsten Stopps: Carlsfeld. Die Anteilnahme der Bevölkerung war überwältigend, es herrschte eine bewegende Stimmung im Ort. Carlsfeld empfing die Convoy-Teilnehmer am Gast- und Gemeindehaus „Grüner Baum“, um hier einem der bemerkenswertesten Ereignisse im Vogtland der letzten Kriegstage zu gedenken: Die spektakuläre Kapitulation von etwa 40.000 Wehrmachtssoldaten und deren Offiziere am 7. Mai 1945.
Am Vortag war es der L-Kompany der 87th Infantry-Division gelungen, in Jägersgrün Einheiten der Wehrmacht auszuschalten, die den Vormarsch der US-Armee durch Sprengungen verzögern wollten. Unter den etwa 30 Gefangenen befand sich ein Oberst der Wehrmacht, der durch den Zugführer Thomas L. Stafford aufgefordert wurde, seinen Vorgesetzten zur Kapitulation zu bewegen. Dieser Versuch ermöglichte es Stafford und seinem Fahrer, schließlich bis in das Hauptquartier nahe Karlsbad zu dem dortigen deutschen Oberbefehlshaber vorzudringen. Dabei handelte der 22-Jährige nicht nur ohne Absprache mit seinem Vorgesetzten, sondern gab sich gegenüber dem Oberbefehlshaber auch als Captain aus, um als anerkannter Offizier agieren zu können. Es gelang ihm durch diese Täuschung und durch sein entschlossenes Auftreten tatsächlich, so die Kapitulation herbeizuführen. Diese wurde schließlich am Abend im Gasthof in Carlsfeld durch den deutschen Oberbefehlshaber unterzeichnet - in Ermangelung von Schreibpapier auf dem Papier einer Kassenbonrolle.
Dieses Ereignis ist nicht nur wegen der Tollkühnheit des jungen US-Sergeants bedeutend, sondern vor allem wegen der Größe der Verbände von etwa 40.000 Mann inklusive etwa 20 Generälen. Wie verteidigungsbereit diese Truppen tatsächlich waren, belegen deren Artilleriestellungen, versteckten Panzerpositionen und Sprengstoffladungen. Es blieb damit ein letztes, vielleicht verheerendes Gefecht aus, dass unmittelbar vor der vollständigen Kapitulation Nazi-Deutschlands noch einmal hunderte, vielleicht tausende Opfer gefordert hätte.
65 Jahre später enthüllte jener Thomas L. Stafford am Gasthaus "Grüner Baum" in Carlsfeld "seine“ Gedenktafel. Nach sehr bewegenden Ansprachen des Bürgermeisters der Stadt Eibenstock, Uwe Staab sowie des Landrates des Erzgebirgskreises, Frank Vogel oblag ihm im Beisein der weiteren Veteranen die feierliche Enthüllung. Die Carlsfelder dankten auf ihre Art den Veteranen mit zalreichen Präsenten, einer guten Bewirtung der Convoy-Teilnehmer und mit vielfältigsten Gesprächen unter größtem Medieninteresse.Dies macht die Station Carlsfeld zu einer der bedeutendsten des Liberty Convoy 2010.

Der eintreffende Convoy wurde in Carlsfeld bei bestem Frühlingswetter mit überwältigendem Interesse begrüßt.

Tom Stafford: 65 Jahre nach seinem beherzten Einsatz im Oberen Vogtland enthüllt er eine Gedenktafel zum Liberty Convoy 2010.

Die Veteranen der 87th. ID erlebten einen ehrenvollen und warmherzigen Empfang durch die Bürger und kommunale Vertreter. Das Medieninteresse war besonders groß.
18. April 2010: Morgenröthe-Rautenkranz
Zuvor hatte der LIBERTY CONVOY die Städte Falkenstein und Auerbach erreicht mit jeweils kurzen Stopps und Ansprachen der Oberbürgermeister sowie jeweils historischen Abrissen des Historikers Ullrich Koch. Viele Menschen, darunter zahlreiche Zeitzeugen, begrüßten vor allem die Veteranen fast wie Popstars, überreichten Ihnen Blumen, baten um Autogramm und Selfies. Dies machte deutlich, wie bewusst den Vogtländern die Geschehnisse und das Engagement der US-Army in Deutschland ist. Schon während der vorangangenen beiden Tagen spielten sich ebenso bemerkenswerte Szenen ab. So hingen an manchem Fenster weiße Bettlaken als Symbol der Friedfertigkeit. Mitunter schenkten die Vogtländer den Veteranen Kaugummi und Schokolade.
Nach dem überwältigenden Empfang in Carlsfeld fuhr der Liberty Convoy nach Morgenröthe-Rautenkranz zu seinem organisierten Stopp am Raumfahrtmuseum.
Einige der berührendsten Szenen der Gedenkveranstaltung spielten sich hier ab. Kurz vor der Weiterfahrt nach Klingenthal kam es nämlich zu einer ganz besonderen Begegnung: deutsche Wehrmachtsangehörige, die im Zweiten Weltkreig unter anderem in Belgien gegen die Alliierten kämpften, trafen nun auf ihre früheren Gegner! Jetzt besiegeln ehemalige Feinde mit einer Umarmung unter Tränen für sich das Ende des unsäglichen Zweiten Weltkrieges. Allein für diese Szene hat sich der Organisationsaufwand des LIBERTY CONVOY gelohnt.

Wie Popstars empfangen die zahlreichen Vogtländer vor allem die US-Veteranen. Diese empfinden angesichts der Warmherzigkeit, die sie erfahren dürfen, eine große Erleichterung. Denn zeitlebens rangen sie mit ihren Erlebnissen in Europa und der Frage, ob man sie hier als Besatzer oder doch als Befreier versteht. Diese Frage ist zumindest für Stafford, Burgess, Gracy, Garisson und Bowman mit dieser Gedenkveranstaltung beantwortet.

Was für ein Moment: Eldon Gracy schließt mit einem vogtländischen Wehrmachtsveteran an diesem denkwürdigen Tag Freundschaft. Beide hatten in Flandern gekämpft. Für beide ist es eine Befreiung.

Rückfahrt ins Camp Waldfrieden. Für alle Teilnehmer, einschließlich der Motorradstaffel der Sächsischen Polizei eine einzigartige und sehr wertvolle Erfahrung.